

Zeitschrift fur politik, S13: 221–238. Nomos-Verlagsgesellschaft.

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine konfrontiert die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik mit einer fundamental gewandelten Bedrohungslage. Hinzu kommen Herausforderungen wie der Aufstieg Chinas, terroristische Bedrohungen, wirtschaftliche Verwundbarkeiten oder der voranschreitende Klimawandel. Spionage- und Sabotageaktivitäten sowie Cyberangriffe auf Deutschland und seine Partner verdeutlichen die Gefahrenlage. Mit der neuen Unsicherheit, inwiefern die Vereinigten Staaten unter der Trump Administration weiterhin ein verlässlicher NATO-Partner bleiben werden, droht zudem eine der tragenden Säulen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik wegzubrechen. Vor dem Hintergrund dieser Umbrüche bedarf es umso mehr einer Nationalen Sicherheitsstrategie, die zum effizienten Einsatz der knappen Ressourcen und zur effektiven Erreichung nationaler und europäischer Ziele beiträgt.
Die Zeitenwende stellt gleichsam die Politikwissenschaft vor Herausforderungen, bietet ihr aber auch Chancen. So ergeben sich neue Fragen, Themen und Untersuchungsgegenstände für die empirisch analytische Forschung. Jedoch muss sich die Politikwissenschaft auch selbstkritisch fragen, welchen Beitrag sie für die nationale Sicherheit und den Schutz der Demokratie leisten kann. Während im angelsächsischen Raum, insbesondere den Vereinigten Staaten, die strategic, security und intelligence
studies fest im wissenschaftlichen Diskurs etabliert sind, besteht in Deutschland weiterhin Nachholbedarf. Dieser Sonderband widmet sich beiden Aspekten. So dient die erste Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesrepublik Deutschland nicht nur als neues Forschungsobjekt. Der Sonderband zielt zugleich auf eine anwendungsbezogene Kritik und auf Handlungsempfehlungen, die den wissenschaftlichen Mehrwert für konkrete Sicherheitspolitik belegen.